Experteninterviews mit Betriebsräten
Stimmungsbild der Mitbestimmungsakteure hinsichtlich der Auswirkungen von KI-Einführung auf die Beschäftigten

Im dritten Quartal 2025 führte die TBS Rheinland-Pfalz als Partnerorganisation im RZzKI-Konsortium Experteninterviews mit Betriebsräten durch. Ziel der Interviews war es einen Überblick über den aktuellen Stand der Einführung von KI-Systemen im Betrieb zu bekommen sowie ein vertieftes Stimmungsbild der Mitbestimmungsakteure hinsichtlich der Auswirkungen von KI-Einführung auf die Beschäftigten zu bekommen. Als Interviewpersonen standen Mitglieder der betrieblichen Mitbestimmung verschiedener Branchen zur Verfügung, darunter Abwasserentsorgung, Rettungsdienst sowie ein Hersteller von Medizinprodukten.
In allen drei interviewten Betrieben wurden bereits KI-Systeme eingeführt oder befinden sich in der Umsetzungsphase. Interessant ist, dass KI-Technologie sowohl an den Büroarbeitsplätzen als auch außerhalb der Verwaltungsbereiche (bspw. an Anlagen oder in Rettungswagen) zum Einsatz kommt oder kommen soll. In den administrativen Bereichen wird überwiegend generative KI in Form von großen Sprachmodellen (LLM) genutzt oder deren Einführung geplant. Als bekannte Sprachmodelle wurden hier bspw. der Copilot von Microsoft oder ChatGPT genannt. In den nicht administrativen Bereichen wurden hingegen spezielle KI-Lösungen eingesetzt, die auf konkrete betriebs- oder branchenspezifische Problemlagen ausgerichtet waren. Genannt wurden hier z.B. ein Tele-Notarztsystem, das die Rettungssanitäter während des Einsatzes unterstützt oder ein KI-Diagnose und Übersetzertool für die Rettungsleitstelle.
Alle interviewten Betriebsräte bewerteten den Mitbestimmungsprozess gemeinsam mit der Geschäftsführung beim Einsatz von IT- und KI-Systemen als eher positiv, da sie frühzeitig in den Prozess eingebunden wurden. Zudem gab es in allen Betrieben betriebliche Rahmenvereinbarungen, die die Einführung von IT-Prozessen regeln. Als zentrale Herausforderung nannten die interviewten Betriebsräte die Erlangung von KI-Kompetenzen bei den Beschäftigten, als auch innerhalb des Betriebsratsgremiums. So gäbe es viele Kolleginnen und Kollegen im Gremium, die die Auswirkungen und auch die Risiken der KI-Systeme eher verkennen oder unterschätzen, da es ihnen an KI-Wissen mangele.
Hinsichtlich der KI-Nutzung der Belegschaft berichteten die Betriebsräte, dass viele Beschäftigte sich den Einsatz von KI-Anwendungen wünschen, da sie sich eine Erleichterung ihrer Arbeit erhoffen. Häufig kämen die Wünsche von Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der Wissensarbeit, die oft eine KI-Affinität mitbrächten und die Anwendungen bereits privat nutzen. Schwieriger sei es, die Beschäftigten abzuholen, die weniger digitalisierungsaffin seien. In zwei Fällen gab es bereits haus-interne KI-Schulungsangebote, die der Arbeitgeber anbietet. Kolleginnen und Kollegen, die wenig mit IT- und KI-Themen zu tun hätten, würden diese allerdings oftmals nicht wahrnehmen, da sie ihre „Schwächen“ in den Themenfeldern nicht offenbaren wollen.
Die Interviews haben verdeutlicht, dass der Qualifizierungsbedarf hinsichtlich KI nach wie vor ausgeprägt ist – für Beschäftigte, wie für Mitbestimmungsgremien. Eine positive Einführung digitaler Technologien und KI konnte bei den Interviewten vor allem durch sichere Rahmenbedingungen in Form von Vereinbarungen sowie eine frühzeitige Einbindung der Betriebsräte gewährleistet werden. Das RZzKI unterstützt Interessenvertretungen daher weiter mit seinen Qualifizierungs- und Beratungsangeboten auf dem Weg zur erfolgreichen Umsetzung in den Betrieben.
Autoren
Tim Harbecke
TBS gGmbH







